Donnerstag, 6. Januar 2011

Ausgelassene Silvesterparty am Strand ?!?




Da wird die Tage zuvor in Cochin  mit unserem lieben Herr Monsignore verbrachten. Ging es am 31.12 nach dem Mittagessen wieder zurück in Richtung Strand….
Das dachten wir zumindest und freuten uns schon riesig. Doch dann viel denn Herrschaften ein sie musste um 20.oo Uhr am Silvesterabend noch kurz bei einem Jubiläum vorbei…
Das natürlich nicht auf dem Weg lag :)
 So fuhren wir da noch hin, aßen dort etwas und wurden zum deutsch unterrichten eingeladen. Bin gespannt ob das was wird Monsignore meinte er arrangiert das schon ;) Wie alles halt :D

So waren wir um 11 endlich, nach einer wirklich wahnsinnig schnellen und riskanten Fahrt in Kovallam. Ohne Spaß ein wunder das wir noch am Leben sind, so wie unser Fahrer gefahren ist…..

Dort angekommen duschten und richteten wir uns schnell um dann auch schon um dreiviertel 12 uns auf in Richtung Strand zu machen. Auf dem Weg dorthin wurden wir die ganze Zeit angelabert und angefasst. Ein wilder Vogel führte sich dann als unser Bodyguard auf und lief immer mit ausgestreckten Armen neben uns her …:D
Da haben wir nur gelacht, obwohl uns die ganze Sachen schon echt mulmig zumute war…. Denn es waren nur Männer unterwegs und das auch noch sehr betrunkene. Die können mit dem Alkohol einfach nicht so umgehen ..

Um kurz nach 12 waren wir dann am Strand und sahen ein kleines Feuerwerk. Zur Sicherheit wurden wir von den dortigen Polizisten an eine Wand gestellt. Und sollten nicht zu nah zu den anderen. Aber ihr kennt uns ja wir wollten da nicht so doof außerhalb stehen so schlichen wir uns einfach ein stück näher an das geschehen und wurden da auch schon von ganz vielen Männern zum neuen Jahr beglückt wünscht  und auch echt angegrabscht, umarmt und auf die Hand bzw. auf die Backe geküsst worden… da wir ja unsere deutschen Kleider anhatten und keine Churidas.
Da kam dann auch schon, zum Glück die Polizei und verscheuchte die Bande.
Diese Situation kam noch ein paar mal vor, dann war das ganze auch schon um 1 Uhr vorbei und alle Inder mussten den Strand verlassen nur wir „Ausländer“ durften am Strand bleiben.
Als wir uns am Strand hinsetzten, kam auch schon ein Kamerateam und interviewte uns. Da ich noch so überrascht war, überließ ich Sara das reden. Sie machte sich echt gut, nur wurde sie ständig von diesem Reporter mit wirren Fragen unterbrochen und sagte dann statt „beautiful landscape“ , „beautiful people“. : D
Na da werden sich die Inder aber freuen: P
Was haben wir gelacht: D

Danach schlenderten wir noch etwas am Strand entlang.
Später schnappten wir uns eine Rikscha und ließen uns nach Hause fahren :)

Auf unserem Zimmer kamen wir aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und packten unseren „ Silvestersekt“ aus- eine Flasche Sprite und stießen damit auf das Neue Jahr 2011 an :)

Was für ein Silvester. Sara und ich meinten wenn das alles normale gut aussehende Männer gewesen wären, wäre das echt ein Paradies gewesen: D
Aber somit war es ein Silvester das ich nicht noch mal erleben möchte, aber auch nicht missen möchte :D
So ganz ohne Party und Alkohol war’s mal was anderes ;)


Bis bald
Eure
Sarah
♥






Adventszeit in Indien…



…ist ganz, ganz, ganz anders als bei uns zu Hause in Deutschland!
Aber schön mal miterlebt zu haben ;)

Es fing damit an, dass das Klima total anders ist…denn bei 30 Grad im Schatten kommt nur sehr wenig Weihnachtsstimmung auf.
Uns wurde hier bewusst, dass der Schnee, die Plätzchen, Weihnachtslieder, Weihnachtsmarkt, Winterkleider, Glühwein, Punsch, Familie und Freunde und noch mehr wirklich viel zur Weihnachtsstimmung beitragen!
Die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest, das hier am 25.12 stattfindet, war wirklich aufregend und sehr spannend. Jeden Tag erlebten wir etwas anderes.

Wir wurden auf viele verschiedene Weihnachtsfeiern eingeladen, wo das Programm eigentlich immer das Selbe war: die Veranstalter und VIP`s :) hielten Reden (die sich sehr, sehr lange hinauszogen, die Kinder sangen und führten traditionelle indische Tänze auf und anschließend wurden wir dann zum Essen eingeladen. Auf der einen oder anderen Feier mussten wir mit auf die Bühne sitzen und spontan auch kurze Reden halten. Auf diesen Feiern bekamen wir meist kleine Weihnachtsgeschenke ;)


Der Krippenbau

Abends bauten wir gemeinsam mit zwei Männern aus dem Dorf eine große Krippe auf und dekorierten das Kloster (sehr kitschig- aber typisch indisch) mit bunten Sternen, Girlanden, Weihnachtskarten, Luftballons, zig Lichterketten die in allen nur erdenklichen Farben leuchteten… .
Wir bauten fast den ganzen Dezember daran. Am 23. Dezember war sie dann endlich fertig und wir mächtig stolz darauf:)
Der Weihnachtsbaum sah hier natürlich auch ganz anders aus ;) der hatte Blätter und wurde mit Krepp-Papier, Postkarten und Lichterketten geschmückt… (die ganze Dekoration wird hier übrigens von den Männern übernommen, aber bei uns wurde eine Ausnahme gemacht und wir durften helfen).


















Carolsingers

Zwei Wochen vor Weihnachten kamen an vier Tagen die Carol-Singers, die aus einer Gruppe von ca. 20 Männern bestand. Darunter war ein Christmaspapa, der als Santa Claus verkleidet war und zum Gesang der Männer ganz schön wild mit seinem Stab tanzte. Nach dem Gesang und dem Trommeln der Gruppe wurde dann das Haus gesegnet. In einer Gruppe war sogar ein süßer, kleiner 2- jähriger Christmaspapa dabei, der zum Takt der Musik klatschte;)
Nach der Aufführung servierten wir ihnen Tee und Weihnachtskuchen und dann machten sie sich auf den Weg zu den nächsten Häusern in der Nachbarschaft.





Christmasfriends und Weihnachtsfeier in der Schule

Bevor die Weihnachtsfeier der Kinder begann, versammelten sich alle Lehrer im Lehrerzimmer um die Geschenke der Christmasfriends untereinander auszutauschen. Dieser Brauch ist vergleichbar mit dem Wichteln in Deutschland.




 Ich bekam von meinem Christmasfriend ein riesen Bild geschenkt und Sara bekam einen roten Churidar .















Anschließend stand die Weihnachtsfeier der Kinder auf dem Programm. Es wurden Tänze aufgeführt, die Kinder sangen Weihnachtslieder auf Malayalam und führten Krippenspiele auf…
zum krönenden Abschluss sangen Sarah und ich für die Lehrer und Kinder ein deutsches Weihnachtslied ;)
Natürlich nicht ganz freiwillig :)


















Die Weihnachtstage im Kloster

23. Dezember 2010

Heute stand gemeinsames Abendessen auf dem Programm und danach wurden die Geschenke an die Christmasfriends im Kloster verteilt. Eigentlich machen die Schwestern das am 25.12, da aber eine Schwester über Weihnachten nicht da sein konnte, wurde es vorverlegt.
















24. Dezember & 25.Dezember 2010

Hier in Indien feiert man erst am 25.12 Weihnachten- aber Sara
und ich blieben unserer Weihnachtskultur treu und „feierten“ wie gewohnt am 24. Weihnachten.
An diesem Tag stand also Geschenke auspacken auf dem Programm ;)
Da uns das Weihnachtsfest ohne unsere Familie und Freunde mehr mitnahm, als wir dachten, bekam jeder zum „Trost“ ein Gläschen Wein- welcher soooo stark war, dass die dreistündige Mitternachtsmesse uns gar nicht so lang vor kam: D

beim probieren

der Nachgeschmack :D






















Wein :)




















zu frueh gefreut :D





















Das Weihnachtsfest an sich fiel nicht so spektakulär aus.
Wir gingen am 24.12 in die Mitternachtskirche.
Zuvor  wurden wir in unsere Saris gewickelt. :)
Am 25.12 durften wir alle Mahlzeiten mit den Schwestern gemeinsam einnehmen (Normalerweise essen Sara und ich alleine).
Es gab an diesem Tag etwas besonderes, da wir seit dem 1.12 „gefastet“ haben. Die Schwestern und wir verzichteten auf Fisch, Fleisch und Ei, damit es am 25.12 das „Festmahl“ gab. Und es war wirklich ein Festmahl, dass schon beim Frühstück begann und sich dann bist zum Abendessen hinzog. :)

So das waren also indische Weihnachten :)

Bis bald
Eure
Sarah
♥



Weihnachtskuchen im Mental Hosptial verteilen….



Wir machten uns gemeinsam mit einigen Jugendlichen und einer Schwester auf, um Weihnachtskuchen im „Mental Hospital“ an die Patienten zu verteilen. Wir wussten absolut nicht, was uns dort erwarten würde, denn die Schwester hatte selbst  keine Ahnung!

Dort angekommen war es uns klar wo wir waren: in einer Psychiatrie!
Jedoch glich das Gelände von Weitem eher einem Feriendorf. Es waren so gut wie keine Sicherheitsmassnahmen zu sehen… Wenn dort ein Patient versucht abzuhauen, dann würde es ihm höchstwahrscheinlich gelingen (ohne das es jemand mitbekommen würde).
Es ist ja schon mal unglaublich und unzulässig, dass eine Gruppe von 35 Besuchern (darunter wirklich junge und nicht Reife Inder/innen) diese Anlage OHNE jegliche Vorbereitung besuchen! Und das die Angestellten es zulassen!!!
Nachdem wir vor dem „Office“ standen, mussten wir die Kuchen dort abgeben (die Kuchen waren in riesige Kartons verpackt und es waren ca. 250 Stückchen in einem Karton drin). Sie wurden innerhalb von 3 Minuten (!) (wir hatten drei Kartons dabei) auf Gift untersucht… wir fragen uns heute noch: Wie haben die das bitte gemacht??? Selbsttest? :)

Nachdem kein Gift und somit keine Gefahr für die Patienten bestand, bekamen wir die Kuchen zurück und dann zogen wir mit der Gruppe los.
Ein „Angestellter“ zeigte uns lediglich wo wir hinlaufen mussten und ob wir gemeinsam in das Gebäude durften oder ob nur Frauen bzw. Männer erlaubt waren- ohne jegliche Erklärung oder ähnliches.
Den ersten Halt machten wir in einem Gebäude, das aus einem mehr oder weniger großem Raum bestand, die Türen und Fenster waren vergittert und es standen Metallbetten ohne Matratzen für die ca. 20 Patientinnen drin.
Diese Frauen haben keinen Freigang und werden auch nicht mehr entlassen, weil sie ihre Ehemänner und ihre Kinder getötet haben.
Sarah und ich hielten uns eher im Hintergrund auf, aber die Pflegerin holte uns nach ganz vorne, damit wir einen Blick in den Raum  werfen konnten.
Ganz vorne, stieg uns der Geruch von Urin in die Nase… Man konnte es einigen Frauen wirklich ansehen, dass sie total unter Medikamente standen.
Dann teilten wir die Kuchen aus und gingen so weiter von Bunker zu Bunker.
Auf diesem Gelände waren  geschlossene Gebäude, Einzelzellen aber auch offene Gebäude, wo die Patienten „Freigang“ auf dem Gelände hatten.
Die Unterkunft in den geschlossenen Gebäude könnt ihr euch wie Massenlager vorstellen, Frauen und Männer natürlich getrennt.
Wie oben beschrieben standen dort Metallbetten oder gar keine drin- also mussten folglich die Patienten auch auf dem kahlen Boden ohne Bettdecke und Matratze oder Unterlage schlafen. Die Einzelzellen waren alle komplett gefliest und ein Betonblock diente als Bett. Sie waren sehr sehr dunkel und von der Außenwelt mit einer großen Gittertür getrennt.
Hier wurden die Menschen untergebracht, die nicht „einzuschätzen“ sind, jemanden getötet hatten und für sich und die Menschheit eine Gefahr darstellen.

Auf dem ganzen Gelände konnten wir einen Geruch von Urin und Desinfektionsmitteln wahrnehmen. Aus manchen Einzelzellen lief der Urin sogar raus.

Manche Patienten waren „normal“, mit ihnen konnten wir uns unterhalten und es sprachen auch viele Englisch, aber andere waren so „vollgedröhnt“ mit Medikamenten sodass sie einfach am Boden lagen und in die Luft starrten oder schliefen.
Es war wirklich ganz furchtbar mitanzusehen, wie die Menschen dort „gehalten“ werden.
Von Menschenwürde ist hier gar keine Rede!
Wir waren wirklich froh, als wir Richtung Ausgang liefen!

Doch da erwartete uns schon der nächste Schock…
Wir sahen eine weiße Frau mit blonden Haaren, die einen grünen Churidar und rote Sneakers anhatte, auf einer Treppe saß und ein Buch las. Sie sah so entspannt aus, als wäre sie hier im Urlaub.
Wir sahen sie zuletzt und die anderen aus der Gruppe standen schon alle um sie herum… als wir kamen schauten sie uns alle erwartungsvoll an, so auf die Art: jetzt redet mal, denn die Frau sieht ja aus wie ihr …
Also redeten wir mit ihr am Anfang auf Englisch und dann fragte sie, woher wir sind. Nachdem wir ihr geantwortet hatten, sprach die Frau auf einmal deutsch!
Es war unglaublich- wenn man schon seit Ewigkeiten niemand mehr deutsch sprechen hörte und dann trifft man auf eine Holländerin in einer indischen Psychiatrie, die hier eingeliefert wurde (wie sich herausstellte) und die dann plötzlich unsere Sprache spricht!
Durch die gemeinsame Sprache war auf einmal keine Distanz mehr da und das hat uns noch mehr getroffen.

Sie erzählte uns, dass sie zuvor 3 Monate in Sri Lanka umherreiste und dann 3 Wochen in einem Ashram, bei uns in der Nähe war. Sie ist bereits seit 3 Wochen hier. Sie fügte dann aber noch hinzu, dass dies nicht ihre Wahl war.
Jetzt wartet sie auf die Erlaubnis zur Ausreise, was wie sie sagt, bis zu Monaten dauern kann…
Uns war es zum Weinen zu mute!
Die dort aufgekommenen Gefühle kann man einfach nicht in Worte fassen…

Nach diesen Eindrücken und Erlebnissen dachten wir, der Tag kann nicht noch schlimmer werden - aber als ein Jugendlicher von unserer Gruppe einen Anruf bekam und dann zusammengekauert am Baum saß, erlebten wir ein nächstes schockierendes Ereignis.
Seine schwangere Schwester wurde ins Krankenhaus eingeliefert, denn das Kind musste man an diesem oder am nächsten Tag per Kaiserschnitt auf die Welt bringen, sonst sei es der Tod für die Mutter und das Kind…
Jedoch hatte die Familie das Geld (5000 Rupies = ca. 90 Euro) für den Kaiserschnitt nicht… Wir beschlossen ihm das Geld über das Kloster anonym zu geben.
Es war so schlimm mit anzusehen… und sind wir doch mal ehrlich 90 €  das geben wir doch manchmal einfach so ohne mit der Wimper zu zucken aus…
Und hier kann es zwei Menschenleben retten…

Doch kurz darauf rief er bei vielen Bekannten an und bittete um Geld.
Diese erklärten sich nach langem hin und her bereit, ihm das Geld zu leihen.
Obwohl diese Situation gut ausging (Mutter und Kind sind nun wohlauf) stand uns der Schock noch in den Knochen.
Nach diesem Tag wurde uns wieder einmal bewusst, dass hier Trauer und Freude sehr nah beieinander liegen können, denn die Heimfahrt mit den Jugendlichen war ausgelassen und spaßig.
Das Erlebte wurde nicht thematisiert und in dem Moment von allen verdrängt oder vielleicht sogar vergessen….

(Auf Grund des Datenschutzes der Patienten durften in dieser Einrichtung keine Fotos gemacht werden)


Bis bald
Eure
Sarah
♥